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Lautenist Peter Croton und Schriftstellerin Tanja Arx
erzählen Sie die fantasievolle Geschichte einer Laute aus dem Jahr 1594, basierend auf historischen Fakten und kreativer Inspiration.

(Laute, Michielle Harton - Padua, 1594)

(Living Wunderkammer Basel © Torsten H.-Geist)
The Living Lute: Musik und Erzählung in der Wunderkammer (Basel)
Wie viele deutsche Instrumentenbauer des 16. Jahrhunderts trieb es den aus Füssen stammenden Michael Hartung nach Italien. Des milderen Klimas wegen, welches die für den Bau wichtigen Fichten, Eiben und den Ahorn gedeihen liess, landete er eines Tages in Padua. Irgendwo im Gassengeflecht dieser Stadt bezog er eine Werkstatt und nannte sich fortan Michielle Harton. Im Jahr 1594 schloss er dort den Bau einer Renaissancelaute von aussergewöhnlicher Schönheit und handwerklicher Meisterschaft ab, um die höchsten Ideale seiner Zeit zu verkörpern. Von dort aus begann eine Reise, die sich über mehr als fünf Jahrhunderte erstreckt. Die Laute Michielle Hartons spielte sich durch die Zeit und über Ländergrenzen hinweg. 1736 in Prag zu einer Barocklaute umgebaut und 1809 in Leipzig zu einer hybriden Laute-Gitarre weiterentwickelt, passte sich das Instrument stets den wechselnden musikalischen Vorlieben und kulturellen Landschaften Europas an.
Obwohl ihre inneren Beschriftungen Daten und Orte verraten, bleibt ihre gelebte Geschichte ein Geheimnis. Als sie im Münchner Stadtmuseum zu verstummen drohte, gelangte sie in die Hände des Lautenisten Peter Croton. Er haucht der Laute mit Musik aus ihrer Entstehungszeit erneut Leben ein. Mit seinem Spiel schreibt er sich ein in die Reihe an Musikern und Musikerinnen, die dieses Instrument beseelten und somit die Vergänglichkeit überwinden liessen. In einer künstlerischen Zusammenarbeit gehen Peter Croton und die Autorin Tanja Arx gemeinsam der Frage nach, was in diesem Instrument verborgen liegt. Mit Text und Ton spüren sie dem langen Leben der Laute Michielle Hartons nach. Welche Geschichten sind ihrem Holz eingeschrieben, welche Gefühle förderte sie zutage? Wer spielte sie? In welchen Räumen und an welchen Höfen erklang ihre Musik? Durch welche Zufälle und Schicksalswendungen überdauerte sie die Jahrhunderte – und blieb bis in unsere Zeit spielbar? Was birgt ein Stück Ewigkeit?
Der nächste Schritt besteht aus dem filmischen Festhalten dieser Kollaboration: Tanja und Peter werden das Entstandene in einer filmischen Darbietung aus Musik und Erzählung zum Leben erwecken, aufgeführt in Andreas Hänersaußergewöhnlicher „Living Wunderkammer“ in Basel – einem Raum voller seltener historischer Objekte, die jeweils ihre eigenen Echos jener Welt tragen, in der diese Laute einst geschaffen wurde. Einem Ort, der es ermöglicht, mit der Vergangenheit in Dialog zu treten, um sie zu befragen, was sie überdauern lässt.
Ein besonderes Merkmal des Programms ist die Einbeziehung einiger Werke aus einem Lautenbuch im Bestand der Universitätsbibliothek Basel, das Emanuel Wurstisen zwischen 1591 und 1594 während seines Studiums in Basel zusammenstellte.
Das Medium Film ermöglicht die Konservierung dieser literarischen und musikalischen Annäherung an das Stück Historie, welches die Laute Michelle Hartons verkörpert und macht sie für ein breites Publikum zugänglich. Die Musik sowie Objekte der „Living Wunderkammer“ aus dem 16. und 17. Jahrhundert werden durch die Erzählung Tanja Arx’ sowie durch die Bildebene des Films miteinander in Beziehung gesetzt. Somit entsteht ein visuelles Dokument, welches den Zuschauer*innen ermöglicht, in das gelebte Leben hinter Objekten und faktischer Geschichte einzutauchen. Der Film ist darum auch eine Einladung, die eigene Imagination als Mittel der Zeitreise zu nutzen. In der Welt der unbelebten Dinge liegen viele verlorene Erzählungen verborgen, zu denen wir über unsere Fantasie Zugang finden können. In einer Zeit des Überflusses kann solch ein Lauschen und Erspüren des Vergangenen heilsam sein. Man lernt, dass es nicht das Materielle an sich ist, das den Wert bestimmt, sondern die Sorgfalt und Liebe derer, die sie beleben und am Leben erhalten.
Volte aus dem Wurstisen Lute Book (Basel, 1591-94), Laute von Michielle Harton (1594)
Videos in kürze mit Tanja Arx & Peter Croton

Der preisgekrönte Musiker Peter Croton gilt als einer der führenden Lautenisten und einflussreichsten Lautenpädagogen unserer Zeit. Seine musikalischen Wurzeln liegen in Folk und Jazz, geprägt von einer fundierten Ausbildung in Alter Musik am Oberlin Conservatory of Music (USA) sowie an der Schola Cantorum Basiliensis. Im Jahr 1984 gewann er den ersten Preis beim renommierten Erwin-Bodky-Wettbewerb in Cambridge (USA) und war Preisträger bei internationalen Wettbewerben in Toronto und New York. Er ist bekannt für seine beeindruckenden Auftritte und Aufnahmen als Solist und Begleiter. Von Kritikern als „lyrischer Poet der Laute“mit „atemberaubender Virtuosität“ gelobt, hat er bedeutende Beiträge zur Welt der Alten Musik geleistet. Als Pädagoge gibt Peter seine Leidenschaft für die Laute und Alte Musik an seine Studierenden an der Schola Cantorum Basiliensis sowie an den Musikhochschulen Basel und Bern weiter, wo er seit Jahrzehnten Laute, romantische Gitarre und historische Aufführungspraxis unterrichtete. Er ist Autor zahlreicher weltweit anerkannter Publikationen über Gitarre und Laute im Bereich Pädagogik und historische Aufführungspraxis.
Peter Croton (Foto: Daniele Caminiti)

Tanja Arx, 1992 geboren und aufgewachsen in einem Dorf in der Südoststeiermark, studierte Bildende Kunst in Linz und Literarisches Schreiben am Literaturinstitut Biel. Ihre Prosatexte wurden auf Deutschlandfunk Kultur, sowie in diversen Anthologien und Literaturzeitschriften veröffentlicht, zuletzt in "Das Narr". Ihr Stück „Unter Vaters Beton blüht die Utopie“ wurde in Form von szenischen Lesungen am Theater Basel sowie dem Schauspiel Leipzig gezeigt. Für ihren Debütroman „Zwischen Haut und Himmel“ erhielt sie einen Werkbeitrag des Fachausschusses Literatur beider Basel. Gemeinsam mit der Drehbuchautorin Flurina Gutmann gründete sie das Kollektiv Weiche Scham, welches feministische Lesungen- und Workshopreihen zu wechselnden Themen in der Deutschschweiz veranstaltet. Tanja Arx ist zudem als Literaturvermittlerin und Mentorin von Schreibprojekten tätig, beispielsweise in der Begabtenförderung Bern, am Schweizerischen Literaturinstitut Biel oder als Jurymitglied des Schreibwettbewerbs LandLesen.
Tanja Arx (Foto: Rosa Margarethe Fürpass – Netočńy)